„Berlin ist attraktiv, bleibt aber politisch anspruchsvoll“
Berlin gehört trotz eines anspruchsvollen politischen Umfelds weiterhin zu den attraktivsten Wohninvestmentstandorten in Deutschland. Das zeigt unser neues Wohninvestmentbarometer: 60 Prozent der bundesweit Befragten stufen die Hauptstadt als attraktiv oder sehr attraktiv ein. Gleichzeitig wird Berlin häufiger als andere A-Städte mit politischen Risiken verbunden.
Warum Berlin im Barometer so klar heraussticht und welche Faktoren für die positive wie für die kritische Bewertung ausschlaggebend sind, darüber haben wir mit Kingsford Boateng gesprochen, der bei Schick Immobilien seit vielen Jahren Transaktionen in Berlin begleitet und den Markt aus dem täglichen Austausch mit Käufern und Eigentümern kennt.
Berlin wird im Barometer klar positiv bewertet. Was macht den Standort aus Sicht der Investoren attraktiv?
Berlin verbindet mehrere Faktoren, die bundesweit kaum ein anderer Markt in dieser Form bietet. Die Stadt wächst weiter, wirtschaftliche Impulse aus Forschung, Tech und Dienstleistungen sorgen für stabile Nachfrage, und gleichzeitig bleibt das Angebot an Wohnraum strukturell knapp. Diese Kombination wirkt für viele Investoren überzeugend: hohe Nachfrage, breite Käufer- und Mietermärkte, und eine langfristige Perspektive.
Dass Berlin unter den 50 größten Städten Deutschlands einen Marktanteil von 24 Prozent erreicht, zeigt die besondere Relevanz des Standorts noch einmal deutlich.
Gleichzeitig werden im Barometer auch deutliche Risiken genannt. Welche Punkte verunsichern die Investoren?
Die politische Ebene spielt in Berlin eine größere Rolle als in anderen A-Städten. 44 Prozent der Befragten sehen das politische Umfeld kritisch, und rund ein Drittel nennt explizit die Vergesellschaftungsdebatte als relevanten Risikofaktor. Mietrechtliche Eingriffe oder sich häufig verändernde Rahmenbedingungen werden aufmerksam verfolgt, weniger aus Sorge vor einzelnen Maßnahmen, sondern wegen ihrer schwer kalkulierbaren Auswirkungen.
Das heißt: Berlin bietet viel, verlangt aber auch eine hohe Aufmerksamkeit für regulatorische Entwicklungen.
Im Barometer entsteht der Eindruck einer „Sonderposition“. Wie zeigt sich dieses Spannungsfeld im Alltag?
Berlin ist ein Markt mit sehr starken Fundamentaldaten und gleichzeitig einem politischen Umfeld, das professionelles Vorgehen erfordert. Auf der einen Seite stehen volle Besichtigungen, stabile Mieten und ein dauerhaft hohes Nachfragevolumen. Auf der anderen Seite müssen Investoren genau prüfen, welche Regelungen gelten, welche geplant sind und wie sie sich auf Bestände und Strategien auswirken können.
Diese Mischung macht Berlin im Guten wie im Schlechten besonders: hohe Chancen, aber auch erhöhte Anforderungen an Marktkenntnis und Risikobewertung.
Spiegelt Ihr eigener Marktalltag das Bild wider, das das Barometer vermittelt?
Ja, eindeutig. Wir sehen mehr Aktivität, mehr Gespräche und eine größere Bereitschaft, Entscheidungen zu treffen. Die Unterschiede liegen vor allem im Zeithorizont: Investoren, die sich für Berlin entscheiden, handeln bewusst und mit langfristigem Blick.
Für uns als Berliner Unternehmen ist das nachvollziehbar. Berlin bleibt unser Hausmarkt – und für viele Investoren ein Standort, dessen Dynamik sie verstehen und dessen Perspektive sie trotz Herausforderungen überzeugt.