Bringen Sie mehr Dringlichkeit in Ihr Unternehmen

Dem Musk-Biograf Walter Isaacson zufolge beschrieb Elon Musk selbst seine Arbeitsvorgaben so: „Unser Arbeitsprinzip besteht in einem irrsinnigen Dringlichkeitsbewusstein.“ Diesen Satz wiederholte er wieder und wieder und wieder. Als ein Mitarbeiter an den neuen Merlin-Triebwerken für die Falcon-9-Rakete arbeitete, legte er für die Fertigstellung einer der Versionen einen ambitionierten Zeitplan vor. Doch Musk, so berichtet Isaacson, schien der Plan nicht ehrgeizig genug. „Wie zum Teufel kann das so lange dauern?“, fragte er. „Das ist albern. Halbier das!“
Auch Bill Gates war dafür bekannt, dass er alles dringlich machte. Ein ehemaliger Microsoft-Manager erinnerte sich, dass Gates gleich während seiner ersten Woche zu ihm ins Büro gestürzt gekommen sei und ihn angeschrien habe: „Wie können Sie bloß so lange für diesen Vertrag brauchen? Machen Sie ihn endlich fertig!“
Oracle-Gründer Larry Ellison, Apple-Gründer Steve Jobs und Bill Gates erkannten, dass manchmal Schnelligkeit wichtiger als Perfektionsdrang ist, und zwar besonders in einer Phase, in der es darum ging, sehr schnell Marktanteile zu gewinnen. Wenn die Mitarbeiter oder Wettbewerber ihn dafür kritisierten, dass er zu schnell mit nicht ausgereiften Produkten auf den Markt komme, dann entgegnete Ellison: „Wie viel kostet es Pepsi, die Hälfte von einem Prozent an Coca Colas Marktanteil zu bekommen, sobald der Markt etabliert ist? Verdammt viel … Wenn wir nicht so hart und so schnell arbeiten, wie wir können, und unsere Anstrengungen dann nicht noch mal verdoppeln, wird es uns aus Kostengründen nicht möglich sein, unseren Marktanteil zu erhöhen.“
Erfolgsmenschen machen alles wahnsinnig dringlich
Ähnlich wie Ellison dachte Bill Gates. Seine Strategie basierte darauf, immer der Nachfrage zuvorzukommen und als erster mit einem neuen Produkt auf dem Markt zu sein. Allerdings, auch das ist richtig, brachte das Microsoft manchmal in erhebliche Schwierigkeiten, aufgrund unvorhersehbarer Schwierigkeiten oder Verzögerungen mussten Verträge revidiert werden.
Elon Musk wusste von vornherein, dass die Raketen, die er baute, nicht sofort perfekt sein würden. Was Außenstehende, die keine Ahnung vom Thema hatten, als „fehlgeschlagene Tests“ bewerteten, waren für ihn Möglichkeiten, in der Praxis Daten zu gewinnen, um die Rakete zu verbessern. Was der NASA in mehreren Jahrzehnten nicht gelang, gelang ihm in einem Jahrzehnt.
Wer etwas in und mit seinem Unternehmen bewegen will, muss bei den Mitarbeitern ein Gefühl für Dringlichkeit entwickeln, so die These von John P. Kotter in seinem ausgezeichneten Buch „Das Prinzip Dringlichkeit“. Seine Hauptthese überzeugt spontan. Jeder Unternehmer und jeder Manager weiß, dass die wertvollsten Mitarbeiter die sind, die ein intensives Gefühl für Dringlichkeit haben.
Allerdings, auch darauf weist Kotter zu Recht hin, ist die „richtige“ von der „falschen“ Dringlichkeit zu unterscheiden. „Falsche Dringlichkeit ist meist mit unproduktiven und planlosen Aktionen verbunden, die außer Stress wenig bringen: Mitarbeiter eilen von einer Besprechung zur nächsten, produzieren Berge von Unterlagen und drehen sich endlos im Kreis, wobei sie die Orientierung verlieren und gar nicht mehr in der Lage sind, großartige Gelegenheiten zu erkennen und die wirklich wichtigen Probleme zu lösen.“
Die Verwechslungsgefahr zwischen dem „richtigen“ und dem „falschen“ Gefühl für Dringlichkeit sei enorm. „Oft wird die hektische und planlose Betriebsamkeit als Beweis dafür gesehen, dass die Dringlichkeit eines Projekts allen bewusst ist.“ Manche Mitarbeiter denken, wenn sie sehr viel „herumwirbeln“ und am Ende des Tages davon ganz erschöpft sind, sei dies ein Beleg für ihre Produktivität. Produktivität zeigt sich jedoch daran, dass effizient Ergebnisse erzielt werden und nicht daran, dass mit hektischer Betriebsamkeit viel Staub aufgewirbelt wird.
Wer wahre Dringlichkeit empfindet, konzentriert sich ausschließlich auf Angelegenheiten oberster Priorität und streicht Belanglosigkeiten aus seinem Terminkalender. Wer wahre Dringlichkeit empfindet, kommt gar nicht erst auf die Idee, Angelegenheiten höchster Priorität auf irgendwann später zu verschieben, nur weil sie momentan nicht so gut in den Zeitplan passen. „Nein, er erledigt sie gleich, wobei gleich bedeutet, sich Tag für Tag um sichtbare Fortschritte bei der Erledigung zu bemühen.“
Tipps, um das Prinzip Dringlichkeit umzusetzen
Kotter gibt einige wichtige Tipps, um das Prinzip der Dringlichkeit umzusetzen:
- Streichen Sie unwichtige Termine.
- Delegieren Sie, so viel Sie können.
- Lassen Sie es nicht zu, dass Untergebene Ihnen unnötige Aufgaben aufhalsen.
- Beenden Sie jede Besprechung prinzipiell mit einer eindeutigen Ansage, wer wann welche Aufgabe zu erledigen hat.
- Stellen Sie Ihre Reaktionsfreude, Leidenschaft, Worttreue und noch vieles mehr gut sichtbar für alle unter Beweis, damit möglichst viele Mitstreiter Ihrem Beispiel folgen. Das Gefühl für Dringlichkeit ist extrem ansteckend, nutzen Sie es aus.
Es ist vor allem von hoher Bedeutung, ein Gefühl für Dringlichkeit in der Unternehmenskultur zu verankern – und sich von jenen Mitarbeitern zu trennen oder diese zu isolieren, die selbstgefällig sind und die Dringlichkeit sabotieren. Der Schaden, den solche „Neinsager“ in einem Unternehmen anrichten, kann gar nicht überschätzt werden.